Kunst mit Rost: das Recycled House Reykjavik

Kreativität am Meer und lokale Sehenswürdigkeit in Reykjavik. Das „Recycled House“ an der Laugarnestangi wurde fast vollständig aus wieder verwendeten Schrott Teilen erbaut. In der korrosiven, salzigen Meerluft rosten unzählige originell zusammen gefügte Schrottteile aus Eisen vor sich hin: Skulpturen, Metall Kunstwerke, Holzmasken, Fundsachen und immer noch nützliches.

Übersicht Recycled House Reykjavik mit rostigen Kunstwerken
Es wird um eine Spende gebeten, um die Anlage zu erweitern. Der Eintritt ist ansonsten frei.
Verrostete Eisentreppe vom Recycled House in Reykjavik, Island
Teile wie Leitern, Treppen oder Tische wurden aus Eisen konstruiert. Der korrosive Charakter der salzigen Gischt sorgt dafür, dass ursprünglich vorhandene Lacke einem bunten Mix aus rostbraunen und rostroten Farben gewichen sind.
Rostiger Schraubenschlüssel als Ersatz für eine Treppenstufe
Hier wurde kurzerhand ein Schraubenschlüssel als Verlängerung für die Trittstufe verwendet
Terrasse vom Recycled House in Island mit Blick aufs Meer und die Skyline von Reykjavik
Die Lage am Meer ist phänomenal und einzigartig. Unschwer zu erkennen: die markante Skyline Reykjaviks mit der Hallgrimskirche im Hintergrund.
rostiger rotbrauner Ring mit gelben und blauen Farbresten
Ein ehemals blauer Ring, der auf eine verrostete Stahlplatte geschweisst wurde
rostige rotbraune Metallstruktur als Kunstwerk
Rostige Kunst am Meer, made in Iceland

Geschaffen wurde das alles durch den isländischen Filmregisseur Hrafn Gunnlaugsson (Wikipedia), der Kunst, einen Lagerplatz für Filmrequisiten plus bezahlbaren Wohnraum in diesem Gesamtkunstwerk kombiniert hat.

Vier Masken oder Götzenbilder aus Holz vom Recycled House Reykjavik
Indianische, möglicherweise aber auch afrikanische Masken und Götzenbilder beim Recycled House.

In den US amerikanischen Ozarks würde man so eine Sammlung bei der Entdeckung vermutlich etwas merkwürdig finden und sofort das weite suchen. Zur lebhaften Kulturscene in Reykjavik passt es jedoch perfekt. Ein wenig gruselig wäre es bei Dämmerung und aufziehendem Seenebel natürlich schon. Aber ich war ja tagsüber da und der Künstler, der dort mit seiner Familie lebt und arbeitet ist sehr liebenswürdig und total nett.

Ich komm nur auf diesen Gedanken weil meine (schon erwachsenen) Kinder dauernd diese true crime podcasts hören. Diese haben vor allem amerikanische Serienkiller (=viele nie aufgeklärte Fälle) zum Thema. Leicht skurril ist es dort am Rand vom Meer durchaus, aber eher anregend interessant als gruselig.

Mehrere Holz Skulpturen, Holz Masken und ein gelbes Bild im Recycled House Reykjavik
Skulpturen auf dem Grundstück. Irgendwie ist das gesamte, korrosive Ensemble sehr typisch für Island. Wo sonst als in Island kann man in völliger Freiheit seinen Interessen und seiner Kreativität so freien lauf lassen ?

Ohne befürchten zu müssen, dass man irgend welche Regeln missachtet oder gesellschaftlich schon wieder nicht das macht, was von einem erwartet wird. Oder: Sorgen haben muss, was die Nachbarn sagen. Bei uns in Deutschland kämen noch diverse Umwelt und Bauauflagen hinzu. Und tödlich langweilige Versicherungsfragen. Nicht so in Island, zum Glück.

Hab dazu passend noch ein schönes Zitat gefunden, was ich sehr ermutigend finde:

Alle deine Macken, sie sind nicht falsch
Gib ihnen Raum und sie geben dir Halt.

Senta (Youtube)

^^ super passende Musik zu diesem Blog Artikel !!

Sitzecke vom Recycled House Reykjavik mit verrosteten Eisenteilen als Geländer
Eine der durchaus als gemütlich zu nennenden Sitzecken auf der Terrasse
Rostiger rotbrauner Ring mit einem kleinen, auf dem Land liegenden Fischerboot beim Recycled House in Reykjavik
Blick durch eine der rostigen Installationen auf ein kleines Fischerboot, was dort auf ewig gestrandet ist.
Seitenansicht einer neugierigen Graugans in Island
Eine kleine Süsswasser Quelle gibt es ebenfalls. Hier eine anscheinend halbzahme Graugans (Wikipedia) als Besucher von diesem Biotop.
Brauner Ledersessel auf der Terrasse vom Recycled House in Island
Durchaus gemütlich ! Wenn man dort am Meer den Sommer über ein kleines Cafe einrichten würde – wäre das vermutlich ein ziemlicher Renner.
Frontansicht Recycled House Reykjavik
Die Eingangsfassade ist besonders markant gestaltet.
Gesamtansicht Recycled House Reykjavik in Island
Skurril und einzigartig, diese rostige Residenz am Meer. Wer Kinder hat fühlt sich vermutlich an die Ritter Rost Musicals erinnert. Dort gibt es ebenfalls eine eiserne Burg mit dem Drachen Kokosnuss, Ritter Rost und dem Burgfräulein Bö mit ihrem sprechenden Hut als Besatzung.

So oder so – ein toller, verwunschener Fotospot, es gibt wirklich viel zu entdecken.

Koordinaten: 64.152,-21.889 (Google Maps) in unmittelbarer Nähe an der 41 gelegen.

Die Leute von Neonbubble (Webseite) haben noch mehr Fotos gemacht.

Bitte denk bei einem Besuch daran, dass es sich um Privatbesitz handelt. Sei daher bitte respektvoll und leise. Lass eine kleine Spende im Briefkasten da, um das Gesamtkunstwerk zu fördern.

3 Kommentare

  1. Vielen Dank für den Bericht und die tollen Fotos! Ich bin Anfang Mai zum zweiten Mal in Island, und werde mir das auf jeden Fall auch anschauen! (Hatte es auch schon zufällig auf Google Maps gefunden bei meiner „was-soll-ich-alles-machen-Recherche“).

    Letztes Mal war ich nur einen Tag in Reykjavik, den zum größten Teil in 3 Museen verbracht 😀 – Nicht mal die „Klassiker“ geschafft wie Harpa, Hallgrimskirkja, Perlan… das hole ich dann alles nach. Letztes Mal halt hauptsächlich „Touri-Klassiker“ auf dem Land mit Mietwagen. War auch schön, aber ehrlich gesagt, nach 5 Wasserfällen ist der 6. nicht mehr so aufregend… ;o) (Geschmackssache!) – Trotzdem will ich irgendwann auch mal in’s Hochland.

    Wundert mich immer, dass viele von diesen Blogs und Foren schreiben, man soll quasi nur auf’s Land, in Reykjavik hat man in 1-2 Tagen alles gesehen, dann langweilig… die gehen halt von den 5 üblichen Sachen aus (wenn sie „cool“ sein wollen, dann halt noch Punk-Museum etc.), aber dass es sowas auch noch gibt, wissen die meisten wohl gar nicht.

    Ich habe jetzt mal 7 Tage nur für Reykjavik geplant, und glaube nicht, dass mir da langweilig wird… gibt ja auch noch Höfuðstöðin, Mengi, RVK Bruggfélag Tónabíó, Sundhöllin, Elliðaárdalur, … habe Bekannte in Reykjavik (Ragnarök Roller Derby), die sagen mir bestimmt noch mehr interessante Sachen…

    Sorry wegen Haarspalterei, aber ich zucke jedes Mal, wenn ich hier „Hot Pot“ lese… das ist doch was zum Essen, nicht zum baden… ;o) – Das zum Baden heißt doch „Hot Tub“…?

    1. Wikipedia hat zwei Definitionen zu Hot Pot (de.wikipedia.org/wiki/Hot_Pot). Die erste wär: Feuertopf, ein ostasiatisches Gericht. Die zweite: isländische Variante des Thermalbads.

      In Reykjavik gibt es viele versteckte Sehenswürdigkeiten. Da wäre das 40°C Kwika Fussbad zu nennen, draussen am Meer. Bei einem Spaziergang kann man in Reykjavik viel schöne Strassenkunst / Graffiti entdecken. Mit dem LEMMY gibt es eine extrem gemütliche Kneipe, mit alten Spielautomaten. Ein Besuch im Bokin Buchladen würd ich ebenfalls machen: bis an die Decke vollgestapelt mit gebrauchten Büchern. Dort kann man lesen, aber auch Schach spielen weil Bobby Fischer Stammgast war. Das Kattakaffihusid / Katzencafe ist auch sehr nett, wenn man Katzen mag. Kaffee, Kuchen, Katzen streicheln. Alles sehenswerte Plätze, die ich abseits der typischen Touristen Attraktionen gefunden hab und die wirklich typisch isländisch sind.

      1. Danke! – Ja, zumindest Straßenkunst hatte ich letztes Mal auch gesehen, auf dem Weg von einem Museum zum nächsten… 😀 – wir waren mit mehreren Leuten da (Roller-Derby-Team, hatten ein Spiel gegen Reykjavik, ich war Reff), und da hatten sich so Grüppchen gebildet, da waren auch welche am Fußbad… ich war zumindest im IDA Bokakaffi, auch ganz schön mit vielen Büchern… ein Freund hat mir noch „den Plattenladen“ empfohlen, mal gucken…

        Die letzten 4 Tage habe ich übrigens alle Deine Reiseberichte gelesen*, krass, wo Du schon überall warst! – Irgendwann will ich das auch mal machen… :o)

        *)Ich war Videotechniker bei einem Seminar, der Job war Kaffee trinken und alle 10 Minuten mal einen Knopf drücken, da muss man sich irgendwie die Zeit vertreiben – und das war super interessant, unterhaltsam und informativ bei Dir, vielen Dank!

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